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A. H. Hoffmann von Fallersleben

 fallersleben
August Heinrich Hoffmann
 v. Fallersleben 1798 - 1874

August Heinrich Hoffmann wurde am 2. April 1798 als Sohn des Bürgermeisters, Kaufmanns und Wirtshausbesitzers Heinrich Wilhelm Hoffmann und seiner Frau Dorothea in Fallersleben im Königreich Hannover geboren. Er war das mittlere von fünf Kindern. Er ging in die Fallersleber Volksschule, doch das reicht den strebsamen Eltern nicht aus; sie geben ihm einen Privatlehrer. Als kleiner Junge erlebte er die Besetzung seines Heimatortes durch das napoleonische Frankreich.

Um die Einquartierungen der Besatzungssoldaten mußte sich sein Vater kümmern (1803). Zwei Jahre später rückten preußische Truppen in Hannover ein, die wiederum in Fallersleben Station machten, was Hoffmanns Familie wieder Sorgen bereitete. Die preußische Herrschaft trat für kurze Zeit an die Stelle der Britisch-hannoverischen; doch schon 1810 kamen die Franzosen zurück. Heinrich Wilhelm Hoffmann hatte sich mit den Franzosen arrangiert und blieb dadurch Bürgermeister. Mit der Besetzung kamen auch die Ideen der Französischen Revolution nach Hannover; doch im napoleonischen Machtbereich wurden zwar die Privilegien der höheren Stände aufgehoben, doch Presse und Gedankenfreiheit bleiben unterdrückt.

1812 wurde August Heinrich Hoffmann konfirmiert; kurz danach ging er auf das Pädagogium zu Helmstedt. Er schrieb seine ersten Gedichte. Sie entstanden, wie er später in "Mein Leben" (seine Autobiographie) schrieb, um sein Heimweh zu bekämpfen. Politisch hielt er sich zurück, obwohl sich viele seiner Mitschüler zu den neu entstanden Freikorps meldeten, um gegen Napoleon zu kämpfen. Mit 16 Jahren wechselte er auf das Catharineum in Braunschweig, wo er einen Sinn für das Politische entwickelte; er wurde zum Verehrer Theodor Körners, der als Poet in den Freiheitskriegen schrieb und schon mit 22 Jahren als Kämpfer des Lützower Freikorps fiel.

1814 erschien sein erstes Lied, welches öffentlich gesungen und gedruckt worden ist; es war ein patriotisches Friedenslied. Sein Vater sah es nicht gerne, daß August Heinrich dichte, er wünschte, daß er nun "etwas Vernünftiges" studiere. Doch er schrieb weiter und merkte schon bald, daß durch den Wiener Kongreß die alten politischen Zustände zurückkehrten, und stellte seine Dichtung in den Dienst der neuen Ideen. Nachdem Hoffmann die Schule beendet hatte, sollte er auf die Universität; auf den Vorschlag seiner Eltern studierte er zuerst Theologie, doch er konnte keinen Gefallen an dem Fach finden und wechselte zur klassischen Philologie.

Er lernte verschiedene Sprachen und interessierte sich für Kunstgeschichte, wo er die Werke von Winckelmann studierte. Er beendete das Studium der Archäologie in Göttingen und ging zum Wintersemester 1818/19 nach Kassel, um dort Zugang zur Bibliothek zu finden.

Bibliothekar der Universität Kassel war Jakob Grimm, den Hoffmann natürlich kennenlernte.

Jakob Grimm, der zusammen mit seinen Bruder Wilhelm zu dieser Zeit mit dem Aufbau eines Fachbereiches Germanistik beschäftigt war und eine "Deutsche Grammatik" konzipierte, versuchte Hoffmann zu überzeugen, doch sich lieber mit Deutschland, seinem Vaterland, als mit der Antike zu beschäftigen.

Zu dieser Zeit wurde gerade in Bonn eine neue Universität gegründet, an der u.a. auch Hoffmanns Professor aus Göttingen einen Lehrauftrag erhielt; so folgte er dem Ruf seines Professors und ging nach Bonn, wo er mit den Ideen Grimms im Kopf daran ging, einen Zweig für germanische Sprachen, Geschichte und Kultur aufzubauen. Er orientierte sich nach den Niederlanden, und er begann sich für die Kultur Flanderns zu interessieren.

Hoffmann reiste gerne und stöberte in den Bibliotheken. Dabei entdeckte er verschollen geglaubte Werke flämischer und frühdeutscher Meister. 1823 erhielt er, nachdem er und sein Bruder mehrmals Anfragen gestellt haben, welche jedoch vorher abgelehnt worden waren, den Auftrag nach Schlesien zu gehen und die Aufgabe eines Custos an der Universitätsbibliothek in Breslau zu übernehmen. Er gründete an der Universität die "Zwecklose Gesellschaft", in der sich junge Gelehrte, Künstler und Kunstfreunde treffen konnten; diese traf sich einmal in der Woche, ihre Aufgabe bestand darin, die Künste zu fördern, aber auch wohltätig zu arbeiten. Sie verstand sich aber nicht als Freimauerloge und lehnte die "Geheimnistuerei" ab, und jeder, der sich als Künstler verstand, konnte an den Sitzungen teilnehmen.

1830 erhielt er die Weihen eines außerordentlichen Professors nachdem er ein schlesisches Wörterbuch geschaffen hatte. In dieser Zeit schrieb er seine ersten Kinderlieder, und er begann seine "Horae belgicae", die sich mit der Sachlage und der Geschichte Belgisch Flandern beschäftigen. 1835 wurde er ordentlicher Professor, trat aber bald darauf als Custos der Bibliothek zurück, da er nicht Obercustos werden konnte.

Während dieser Zeit unternahm er Studienreisen quer durch Europa, u.a. nach Frankreich, Flandern, in die Niederlande, nach Prag und Wien. 1840/41 veröffentliche Hoffmann seine "Unpolitischen Lieder", die doch gar nicht so unpolitisch waren, wie der Titel vorgibt.

Daraufhin bekam er Probleme mit der Zensur. Seine Lieder wurden verboten, seine Professur in Frage gestellt. Im April 1842 wurde Hoffmann von seinem Amt suspendiert. Seine Freunde, dabei insbesondere Bettine von Arnim, sandten Petitionen an den König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV. von dem sie viel erwarteten, weil dieser kurz nach seiner Thornbesteigung Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn, den Turnvater, rehabilitiert hatte, die wegen ähnlicher Delikte wie Hoffmann belangt worden waren.

1841 war auch das Entstehungsjahr des "Liedes der Deutschen". Hoffmann, der vorher versuchte, einen gemäßigteren Weg zu finden, war nun gezwungen, sein Leben wie ein Radikaler zu fristen; er konnte keine Arbeit annehmen und keinen Wohnsitz nachweisen und war auf der Flucht vor Behördenwillkür. Er begab sich auf Wanderschaft durch die deutschen Staaten. In seiner Heimat Fallersleben konnte er nicht zurückkehren, da kein Domizil vorweisen konnte und sein Geburtshaus überwacht wurde. Kurze Aufenthalte in Dresden und Berlin schlossen sich an. In Berlin geriet er in Konflikt mit seinen bisherigen Freunden, den Gebrüdern Grimm. Auf dem Geburtstag von Wilhelm Grimm zu dem Hoffmann eingeladen war, jubelte die Geburtstagsgesellschaft, die zum größten Teil aus Studenten bestand, nicht Grimm, sondern dem verfolgten Hoffmann zu. Daraufhin wurde er aus Berlin ausgewiesen, weil die preußische Regierung Angst vor Unruhen hatte.

Ein Bekannter von ihm, der Gutsbesitzer Dr. Samuel Schnelle bot Hoffmann Zuflucht auf seinem Gut im Mecklenburg an.

In dieser Abgeschiedenheit schrieb er zwei Bücher, eines über Immanuel Kant, sowie ein Volksliederbuch. Nebenbei ärgerte er die Zensur, da er Phantasie-Berichte für verschiedene Oppositionszeitungen unter Falschnamen schrieb, die die Mißstände in Deutschland anprangerten. Doch dieser Spaß hatte bald ein Ende, da einige dieser Zeitungen verboten wurden.

Ebenso plagte er sich mit den Gedanken, nach Texas auszuwandern, welchen er aber nach Zureden seiner Freunde, Adolf Glasbrenner und Elvira Detroit, und wegen seiner eigenen Bindung an Deutschland wieder aufgab. Während der Revolution 1848 hielt sich Hoffmann zurück, begleitete die Revolution aber durch einige Schriften und Lieder.

Im Zuge der Revolution lenkte Preußen ein, und Hoffmann erhielt ein Wartegeld, da er aus dem preußischen Staatsdienst entlassen und seit 1842 ohne Verdienst war. Er mußte dafür einen Wohnsitz in Preußen vorweisen. So versuchte er, in Berlin eine Bleibe zu finden, mußte aber nach dem Sieg Wrangels über die Revolutionstruppen verlassen und ging nach Mecklenburg zurück.

Abseits aller Revolutionswirren lernte er seine zukünftige Frau kennen, die 18-jährige musikbegabte Ida zum Berge, die gleichzeitig seine Nichte war. Er verliebte sich in sie, wollte einen Hausstand gründen und bewarb sich bei der Bibliothek in Wolfenbüttel, die gerade eine Freistelle hatte. Hoffmanns Begehren wurde jedoch abgelehnt. Hoffmann fuhr nach Bothfeld, um bei seinem Onkel um die Hand Idas anzuhalten. Dieser reagierte skeptisch, da nach dem hannoverischen Kirchengesetz solch nahe Verwandte nicht heiraten dürfen. Nach mehreren Briefwechseln mit Ida und ihrem Vater stimmte dieser der Hochzeit nun doch zu. Am 28.10.1848 heiraten beide in Braunschweig, da sie das hannoverische Gesetz umgehen wollten. Hoffmann brach seinen Hausstand in Mecklenburg ab und kaufte eine Wohnung in Bingerbrück (Rhl.), wohin er mit seiner Frau zog. Dort lebte er zurückgezogen; mehrmalige Bewerbungen bei Bibliotheken wurden abgelehnt, und viele seiner gesammelten Bücher mußte er unter Wert verkaufen. Dichterisch hatte ihm die Muse verlassen, er schrieb lustlos Lieder, die weder Verleger noch Käufer fanden. Dazu kamen die Probleme mit den Staatbehörden, die ihm immer noch nachstellen. Angebote einer Mitarbeit an einem deutschen Wörterbuch oder einer Bibliographie lehnte er ab, weil er seine eigene Arbeitsfreiheit erhalten wollte.

1852 gebar seine Frau ein Mädchen, welches aber 7 Monate nach der Geburt starb. 1854 erhielt er eine Stelle als Bibliothekar in Weimar. Im Jahre 1855 wurde ihm ein Sohn geboren, den er nach seinem Paten Franz Liszt Franz taufte. Er hatte noch zwei Kinder, welche beide kurz nach der Geburt starben. Während dieser Zeit hielt sich Hoffmann noch mehrere Male in Flandern und den Niederlanden auf, wo er den dritten Band der "Horae Belgicae" beendete. 1856 wurde er für seine Verdienste um die niederländische Sprache in Amsterdam ausgezeichnet. 1859 lernte Hoffmann den Fürsten von Ratibor kennen, der ihn als Bibliothekar einstellen wollte. Zum 1.5.1860 tritt er seine neue Stelle in Corvey an. Er fängt an, seine Werke zu sammeln und aus zu werten, gibt Sammlungen seiner Kinderlieder heraus und veröffentlicht nach dem Tode seiner Frau Ida seine Autobiographie (Mein Leben). 1866 erhält er sogar Besuch des preußischen Königs, wo er doch vorher wegen seiner politischen Gesinnung verpönt war, und wird in Amsterdam Mitglied der kgl. niederländischen Akademie der Wissenschaften.

Die Reichsgründung 1871 begrüßt er, dennoch vermißt er, daß Österreich nicht mit integriert ist. Wie viele seiner Zeit wandelt er sich vom `48er - Liberalen zum Bismarck-Anhänger, aber seine Zweifel am Spießbürgertum und gegenüber den "Philistern" bleiben bestehen. Am 19. Januar 1874 stirbt er mit 75 Jahren und wird neben seiner Frau Ida in Corvey beigesetzt.

Seinen Beinamen "von Fallersleben" hat sich selbst zugelegt, er war nicht adlig, sondern hat ihn sich als "Künstlernamen" angenommen.

 An meine Heimat dacht` ich eben
 da schrieb ich mich von Fallersleben.
 Ich schrieb´s und dachte nie dabei
 an Staatszensur und Polizei.
 So schrieben sich viel Biederleute
 nach ihrem Ort und tun`s noch heute,
 und keiner dachte je daran,
 durch von würd` er ein Edelmann.
 H.v.F.

Hoffmann von Fallersleben war ein Oppositioneller, der auch in der Bundesrepublik Schwierigkeiten wegen seiner kritischen Haltung gegenüber Staatsorganen, die den Freiraum des Bürgers einschränken, bekommen hätte.

Er, der jenseits von "Rechts" und "Links" stand, suchte in der Lyrik einen Weg zur Freiheit und zur Einheit Deutschlands zu finden.

Er war ein kritischer Patriot mit Abneigung gegen jede Art reglementierten Denkens.

Sein "Lied der Deutschen" faßte Stimmungen und Eindrückte des Dichters Hoffmann von Fallersleben zusammen.

[Anm. Redaktion] Vielen Dank an Lisa


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